Nenzel-Art.
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THEORIE

In jedem der Bilder von Sigrun Nenzel formieren sich konträre Kräfte, die mit meisterhafter Anstrengung in eine zerbrechliche Balance geführt werden. Dabei dauert es mitunter Wochen bis sich ein austariertes Gemälde herauskristallisiert. Immer wieder werden neue Flächen und Linien-Komplexe übereinander gelegt, ausgewaschen und erneuert, so lange bis die fragile Balance gegensätzlicher Pole erreicht ist. Dieses in der Schwebe gehaltene Spannungsfeld ist es, das der Betrachter meist als erstes spürt, wenn er ein Gemälde oder auch eine Graphik der Künstlerin auf sich wirken lässt.

Das, was er dabei empfindet, sind chaotische, triebhafte Regungen voller Vehemenz, die gegen die Grenzen der Ordnungselemente im Bild revoltieren. In ihrer Abstraktheit bieten Sigrun Nenzels Arbeiten genau wie geschriebene Poesie Leerstellen, die den Betrachter zur visionären Ergänzung animieren. Bisweilen stellt man sich die Frage, ob eine Linie wohl die Kontur einer Figur beschreibt, die eines Tieres oder eines Homo Sapiens. Die Assoziationen sind nicht in zwingenden Bahnen gefangen. Stets bleiben Zweifel und sie führen zurück zum Zentrum der Bilder, dem Gegensatz zwischen bewussten Ord- nungswünschen und chaotischen Triebimpulsen.


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